Musikwallfahrt 2026 – 7 Tage 7 Lieder

Ein neues Wallfahrtsformat in der Tradition der Idee Leo Langers.
Singend bedenken, gemeinsam auf dem Weg
Zeit zur Begegnung untereinander.
Zeit zum eigenen Nachdenken.
Zeit zum Wandern und Singen.
Vom 26.9.- 3.10.2026 war Gregor Linßen im Team mit Christina Hernold und Birgit Kopal im Gästehaus „Il Castagneto“ in Villar Pellice im Piemont anzutreffen.
Online-Tagebuch der Musikwallfahrt 2026
Es ist gesagt
Samstag 26. + Sonntag 27.9.2026
38 Menschen treffen sich derzeit im Val Pellice im Piemont zur ersten Musikwallfahrt „7 Tage 7 Lieder“. Seit gestern leben und denken und singen und beten und wandern sie dort und genießen die italienische Gastfreundschaft.

Zu Gast sind sie im Haus Il Castagneto
Jeder Tag beginnt mit einem spirituellen Gedanken zu einem neuen Lied von Gregor Linßen. Gestern am ersten Tag war es der Schatz der Geschichten, die in Legenden, heiligen Büchern und überlieferten Gleichnissen vom menschlichen Leben erzählen.
Wie kann Frieden sein am helllichten Tag?
Es ist gesagt, schon vor langer Zeit:
Gott gab uns die Gaben von Erkenntnis, Rat und Einsicht,
Ehrfurcht, der Liebe Stärke und der Weitsicht auf das Ziel unsrer Werke,
dass wir Frieden säen, wo auch immer es ihn zu säen gilt.
aus dem Lied „Es ist gesagt“
So viel ist gesagt und muss eigentlich nicht neu erzählt werden. Und doch scheint der Mensch die Abende am Lagerfeuer zu brauchen, um sich immer wieder daran zu erinnern, dass er mit seinen Fragen über das Leben nicht allein ist.

Heute am Sonntag war es der Austausch über Mut und Demut.
In aller Demut verneigen wir uns vor DIR.
Du bist der Zukunft Ursprung, bist Quelle und Meer.
Dein guter Geist durchflutet uns,
machst aus uns Vielen ein Wir.
aus dem Lied „Gloria – Wir wollen DICH ehren„

Eingebettet in eine Wanderung zum Rifugio Invincibile begleitete uns ein Gottesdienst über den ganzen Tag.

Wir sind gespannt auf das, was uns die nächsten Tage bringen. Denn die Lieder, Impulse und Gespräche fangen an, unsere Gedanken zu lenken und unsere Sicht auf die Tugenden des Menschen zu prägen.

Montag 28.9.2026
GOTT ist in Allem
Lobe den Tag schon vor dem Abend *
Der Mond schien den *Text von Karl Rahner zu kennen, denn zum Morgengebet stand er noch in voller Größe über dem Val Pellice.
Fasziniert standen wir zusammen und genossen die Morgensonne bevor der intensivste Probentag der Woche begann.

Sei du wie du bist
und sieh wie ich bin.
aus dem Lied „Tunichtgut“
In diesem einfachen Satz aus dem ersten Lied des Tages liegt eine große Freiheit. Ich muss nicht erst jemand anderes werden, um richtig zu sein. Ich darf mich selbst annehmen mit meinen Stärken und Grenzen. Und wenn ich es schaffe, wächst genau daraus die Akzeptanz, die mir hilft, anderen Menschen ohne Anspruch an deren Sein zu begegnen.

Am späten Vormittag konnten wir draußen proben im Kastanienhain, der dem Ort den Namen Il Castagneto gab. Die Baumkrone überspannte uns wie eine Kuppel und reflektierte den Klang des zweiten Liedes. In großer Ruhe sangen wir von der Unfassbarkeit Gottes und der Tugend der Gelassenheit, die aus dieser Einsicht entspringt.
Alles ist anders als wir es denken.
Wir können einander nur Bilder schenken
vom EINEN in Allem und dem ALLES im Nichts.
Geheimnis des Himmels: GOTT ist’s.
aus dem Lied: „GOTT ist in Allem“

Nach der Mittagspause begann die Arbeit an den Chorsätzen aller bisherigen Lieder. Der Stimmen der Menschen aus allen Winkeln Deutschlands findet sich schon am dritten Tag zu einem runden Klang zusammen. Die Freude auf die noch kommenden Lieder wächst.
Dienstag 29.9.2026
Steh auf und iss
Verlasse deine Höhle …
Es ist der letzte Ort im Val Pellice, an dem unsere Wanderung begann. Hier geht es eigentlich nicht weiter. Als wir den Ort verlassen hatten, waren wir ganz allein; allein mit einem Aufstieg durch schroffe und doch so schöne Natur entlang dem hier noch wilden Pellice, dem Fluss, der dem Tal den Namen gibt.

Vor uns lagen zwei Stunden steiler Aufstieg. Zum Glück gibt es drei Varianten die Hochebene Conca del Pra zu erreichen. So konnte jeder passend zur vorhandenen Kraft wählen: den direkten Bergziegenweg, den vor langer Zeit angelegten Maultierpfad oder eine abenteuerliche Autofahrt auf einer schmalen Schotterpiste.

Steh auf und iss. Der Weg ist weit.
aus dem Lied „Steh auf und iss“
Schließlich öffnete sich der enge Weg und eine weite Landschaft nahe der Wolken lag vor uns.

Wir erreichten die Berghütte, das Rifugio Willy Jervis. Gregor entdeckte ein Klavier und so kamen wir auf die Idee eines musikalischen Flashmobs.

Deine Freiheit braucht das helle Licht. Tritt hinaus aus deiner Dunkelheit.
aus dem Lied „Steh auf und iss“
Die Tugend Mut hat uns heute begleitet. Der Mut loszugehen, wissend, dass es anstrengend wird, und der Mut, als Chor erkennbar zu werden. Mit dieser gemachten Erfahrung machten wir uns an den Abstieg, beziehungsweise die nicht weniger spannende Abfahrt.

Wir haben heute Freiheit erfahren. Das ist das zweite Wort, dass uns heute und dann auch bis in die kurze Abendprobe begleitet hat.
Artgerecht ist nur die Freiheit aller Menschen auf der Welt.
Niemand mache sich zum Meister, der sich über andere stellt.
aus dem Lied “ Artgerecht ist nur die Freiheit“
Es ist Halbzeit unserer Reise. Noch zwei Tage und dann ist schon das Konzert. Es fehlt noch ein Lied. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Wir merken, wie wir als Chor zusammenwachsen.

Mittwoch 30.9.2026
Mit flammendem Herzen
Begegne den Menschen mit einem Lächeln …
Im Morgenimpuls starteten wir mit dem Wort Barmherzigkeit in den Tag. Barmherzigkeit ist etwas, das Gott über den Menschen ausschüttet. Schafft es der Mensch als Gottes Ebenbild diese wiederum auszuschütten über denen, die Hilfe brauchen?
Mit flammendem Herzen will ich zu den Menschen gehen,
zu den Menschen, die mich brauchen um ins Leben zurückzukehren.
Mit flammendem Herzen will geben von all‘ dem,
das Gott mir gab zum Leben und um die Welt ein Stück zu drehn.
aus dem Lied „Mit flammendem Herzen“
Barmherzigkeit zu leben ist ein großes Ziel. Vielleicht sollten wir erst einmal beginnen, die Tugend Herzlichkeit zu leben. Sie wandelt alle die bedachten Tugenden in eine Haltung des Herzens um. Der Auftrag für heute lautete: Begegne den Menschen, die du triffst mit einem freundlichen Gesicht.
Der Vormittag war zur freien Verfügung und es bildeten sich verschiedene Gruppen.
Die Nebelfänger ließen sich von den tiefhängenden Wolken nicht abhalten, noch einmal zu einer Hütte aufzusteigen.

Die Frage blieb offen, warum die Marktläufer in Pinerolo Maronen kauften, obwohl sie in Il Castagneto vom Baum fallen. Vielleicht, weil es einfach so schön ist, über echte italienische Wochenmärkte zu bummeln.

Die Lost-Places-Scouts suchten in der Umgebung nach besonderen Orten und fanden unter anderem eine alte, verfallene Mine.

Die Kulturinteressierten gingen in Torre Pellice von Kirche zu Kirche, also von der Waldenserkirche zu katholischen und wieder zurück.

Christina und Gregor nahmen derweil Kontakt zur Waldenser-Gemeinde auf, in der übermorgen das Konzert stattfinden soll. Die Liedtexte sollen noch übersetzt werden, damit auch die italienischen Besucher aus dem Städtchen verstehen, wovon wir singen.
Am Nachmittag probten wir das letzte der sieben Lieder, die Augustinus-Hymne Mit brennendem Herzen. Wir haben mittlerweile die Kunst kapiert wie Gregors Lieder einfacher zu singen sind und so reichte dafür eine Stunde.
Vor dem Abendessen spendierten unsere Gastgeber einen Aperitivo mit Kapern. Eine ungewöhnliche und ungewöhnlich leckere Kombination.

Heute, am fünften Tag, sind alle sieben Lieder mindestens einmal gesungen.
Und sechs Tugenden sind bedacht. Mut, Demut, Akzeptanz, Gelassenheit, Freiheitsliebe und Herzlichkeit.
Welche Tugend wird die siebte sein?
Donnerstag 1.10.2026
„Gott lässt dich nicht fallen
und verlässt dich nicht.“ (Deu 31,8)
Der sechste Tag brach an und im Morgenimpuls hörten wir von der Tugend Verlässlichkeit.
Zusammen mit Demut, Mut, Akzeptanz, Gelassenheit, Freiheitsliebe und Herzlichkeit schließt sich damit der Kreis von sieben Tugenden.

Der Vormittag war ganz dem Proben gewidmet. Wir fokussierten uns auf Klang, Intonation und die Feinheiten der Lieder.
Am Nachmittag bekamen wir eine deutsche Kurzführung durch das Waldenser Museum in Torre Pellice und bekamen eine Ahnung von der Geschichte dieser christlichen Glaubensgemeinschaft, die schon vor Franz von Assisi dem Rat Jesu „Lass dein Streben nach Macht und Geld und folge mir nach“ folgten und dafür fast vernichtet wurden.
Die Geschichte umfasst fast 800 Jahre und ist gekennzeichnet von Verfolgung, Leben im Verborgenen mit Exil und Wiederkehr in die hiesigen Waldenser Täler. Erst 1984 (!) wurden sie in Italien als reformiert christliche Kirche anerkannt.
Anschließend wanderten wir zur Höhlenkirche „Gheisa d’la Tana“. In der Zeit der Verfolgung trafen sich die Waldenser hier zum Gottesdienst. In der Hocke zwängten wir uns durch den engen Eingang und verstummten als uns die Mystik und die Geschichte dieses Raums erfasste. Und dann fingen wir an zu singen:
Säe Frieden. Säe Frieden, wo auch immer es ihn zu säen gilt.
Aus Lied: Steh auf und iss“

Wir beendeten den Tag mit einem persönlichen Gedenken an Leo Langer, der heute genau vor zwei starb. Gregor sang das Lied „Was wird sein“, das er ihm noch in dessen letzten Tagen geschrieben hatte. Ein bewegender Moment, in dem viele Erinnerungen und Dankbarkeit Raum fanden.
Freitag 2.10.2026
Music for Peace
Wir werden viel zu erzählen haben.
Im Morgengebet erzählte uns Birgit von der Fahrradspiritualität: in Bewegung ist man stabil. Da ist was dran. Jedenfalls sollten wir nicht mehr träge in den Seilen hängen. Es galt noch die Noten und Texte zu verinnerlichen. Die Hauptprobe am Vormittag bot noch die Chance ein paar Unklarheiten auszumerzen.
Ein letztes Mittagessen draußen unter den Kastanienbäumen. Diese fingen an mit Kastanien um sich zu werfen und auf die Suppentöpfe zu zielen.

Dann fuhr die Technik-Aufbaumannschaft zur Kirche los. In einer Stunde stand die Anlage. Gregor hatte sein „kleines Besteck“ im Anhänger: Chorpodeste, damit wir gut stehen und sogar Licht für ein echtes Konzertfeeling.

Was folgte war ein inhaltlich, musikalisch und atmosphärisch intensives Konzert. Umgeben waren wir von zigtausenden Namen derer, die im Gazakrieg gestorben sind, aufgeschrieben auf einfachen Papierblättern.
Unser „Säe Frieden!“, das wir zum Einzug sangen, bekam eine neue Dimension.
Bis zum Mittag hatte ein Chor aus der Schweiz in der Kirche geprobt. Sie interessierten sich für unsere Musikwallfahrt und so waren sie zu unserem Konzert gekommen. Den Namen Gregor Linßen hatten sie schonmal gehört…
Am Schluss bekamen wir einen großen, ehrlichen Applaus.
Der Chorleiter erzählte uns, dass sie als Chorgemeinschaft ein Musikschulprojekt in Bethlehem unterstützen. Spontan entschlossen wir uns unsere eingenommenen Spenden dafür einzusetzen. Der Abend war für alle ein Glück. Ein herzlicher Dank geht auch an die Diakonin Frau Stabäus der Waldenser Kirchengemeinde, die uns diesen Ort für diese Begegnung geöffnet hat.

Schnell war abgebaut und alles verstaut. Zurück in „Il Castagneto“ wurden wir mit Lasagne empfangen. Wir feierten einen kurzweiliges Abschlussfest und nahmen dabei mit Applaus für Küche und unsere Gastgeber Abschied vom Haus und unserer Gemeinschaft. Der Chor auf Zeit wird morgen wieder zu einzelnen Stimmen. Doch wir werden verbunden bleiben durch die gemeinsamen Erlebnisse und Betrachtungen zu den sieben Tugendliedern:
Es ist gesagt (UA)
Gloria – wir wollen dich ehren
Steh auf und iss (UA)
Tunichtgut (UA)
Artgerecht ist nur die Freiheit
Gott ist in Allem
Mit flammenden Herzen
Wir werden viel erzählen können. Es war eine besondere Reise, die wir kaum vergessen werden können. Ob, wann und wo wir uns in unserem Leben wiedersehen, wissen wir nicht. Nur, dass wir vor haben weiter zu singen. Und gerne wieder zusammen.
Wir wünschen euch, die ihr unsere Reise mitverfolgt habt, ALLES GUTE.
Oder wie Gregor immer sagt:
„Wir werden wieder singen. Irgendwann. Irgendwo.“
Vielleicht auf bald. Eine nächste Chance mit Gregor wäre die ADAM Revival-Wallfahrt vom 31.7. – 8.8.2027 nach Assisi.

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