
Das fünfte Oratorium von Gregor Linßen hat – anders als die ersten vier – einen liturgischen Charakter. Das Werk ist ein Friedensgebet für die Pfingstnacht. Die Intention ist, die dritte große Nacht der christlichen Religion als begeisterndes Fest erlebbar zu machen. Das Fest der Ausschüttung des Geistes und gleichzeitig das Fest der gelungenen Verständigung unter Menschen. Gregor Linßen spielt das Stück mit dem Die sieben Gaben – Projekt jede Pfingstnacht als alternative Pfingstvigil.
2022 Gelsenkirchen, Propstei St. Augustinus
2023 Neuss, Hl Dreikönige
2024 Essen, Dom
2025 Kaarst, St. Martinus
Das Pfingst-Oratorium Die sieben Gaben basiert auf einem Text aus dem alten Testament, aufgeschrieben vom Propheten Jesaja im Kapitel 11:
Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Gregor Linßen interpretiert den Text als Potential der menschlichen Möglichkeiten. Der Mensch ist als einziges Lebewesen mit schöpferischem Geist begabt. Dieser ermöglicht ihm, die erwähnten sechs Geistesgaben zu entwickeln. Die traditionelle Zahlenmystik ergänzt die Anzahl der Gaben auf sieben. Die bei Jesaja unerwähnte siebte Gabe lässt Platz für eine Interpretation. Gregor Linßen folgt hier einer Idee von Rhabanus Magnus, einem Philosophen aus dem 9. Jahrhundert und sieht darin die Gabe zur Vision, die Gabe der Weitsicht.
Der Geist der Weisheit, der Erkenntnis und Einsicht,
aus dem Oratorium „Die sieben Gaben“ von Gregor Linßen
der Geist der Gottesfurcht, des Rats und der Stärke
wecke in uns die Gabe der Weitsicht auf das Ziel unserer Werke:
Die Vision einer neuen Welt.
Die Gabe der Weitsicht hilft dem Menschen, das Ziel seines Strebens zu sehen und die Folgen seines Tuns im Voraus zu bedenken. Mit allen Gaben zusammen hat der Mensch die Möglichkeit zur Schaffung einer gerechten Welt.
Und so ist die Vision des Oratoriums Die sieben Gaben das Streben nach Gerechtigkeit. Durch die Verbindung zu neutestamentalischen Erzählungen deutet der Autor an, dass er persönlich der christlichen Interpretation der Vision des Propheten Jesaja folgt. Das Werk gibt aber bewusst keine Antworten oder beschreibt Handlungsanweisungen. Es zeigt nur die gottgegebenen Möglichkeiten des Menschen auf und mahnt, diese zum Wohl der gesamten Schöpfung einzusetzen.
Die sieben Gaben sind eine Aufforderung, sich der Geistesgaben in sich bewusst zu werden und mit ihnen an der Verwirklichung der Vision einer gerechten Welt zu arbeiten. Der Lohn der Gerechtigkeit ist Frieden, wie es in einem anderen jesajanischen Bild heißt.
Und so endet das Stück in der Willenbekundung der Singenden den Frieden zu suchen und alles dafür zu tun, dass er bleibt. Wie schwer das in der Gemeinschaft aller Menschen ist, zeigen die Kriege im Jemen und der Ukraine, die schon während der Urauführung tobten. Der ewige Frieden ist der Wirklichkeit Gottes vorbehalten, die mit den 12 Glockenschläge des Finales symbolisiert werden.
Reaktionen zum Oratorium DIE SIEBEN GABEN 2024 im Essener Dom
„Das Oratorium DIE SIEBEN GABEN komprimiert eine satte Firmvorbereitung in höchst hörenswerter und zutiefst berührender Form auf einen schlanken späten Abend. Mir fehlt die Fantasie, wie man die Gaben des Geistes treffender, kürzer und moderner fassen könnte. Es macht mich glücklich, Abende wie den gestrigen erleben zu dürfen. Gregor Linßen hat die Gabe, nicht nur das Wesentliche zu betonen, sondern dazu auch eine Musik zu komponieren, die beim Behalten und Vertiefen ein Maximum an Hilfeleistung bietet. Damit ist sein Wirken ein unschätzbares Geschenk sowohl für den einzelnen Menschen als auch für die Großgemeinde und alle kleinen Verästelungen.„
Tim Wollenhaupt (Firmkatechet, Essen)
„Die Komposition des Oratoriums DIE SIEBEN GABEN von Gregor Linßen hat mich sehr beeindruckt. Muss man doch beim Singen seiner Lieder manchmal den Taschenrechner zu Hilfe nehmen, um die Rhythmisierung zu verstehen, fand ich beim Zuhören seiner Musik, wie einfach, überhaupt nicht banal und verschiedenartig die Musik zu genießen ist. Ich habe selten von Komponisten eines Oratoriums den Eindruck gehabt, so unterschiedlich von der Musik mitgenommen zu werden. Die Band hat toll gespielt, die Lichtinstallation in der Apsis fand ich der Musik sehr angemessen.„
Steffen Schreyer (Domkapellmeister am Essener Dom)
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